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Das sind die Schwefelträger des Ijen, einem der gefährlichsten Arbeitsorte der Welt.

Schwefeltraeger Krater Schwefelgas. Ijen - Vulkan in Java, Indonesien. Von Maria Steinmark - fernwehzauber.de

Gastbericht von Maria Steinmark, Reisebloggerin auf fernwehzauber.de. Ein Reiseblog für alle, die auch im Alltag den Fernwehzauber spüren wollen. Es erwarten euch Liebesgeschichten aus Nah und Fern!

Der Ijen in Indonesien gehört wohl zu den beeindruckensten Naturschauspielen der Welt und vereint unzählige Besonderheiten in sich. Nicht nur, dass der Kratersee als das größte Säurefass der Erde bezeichnet wird – in der Nacht steigen auch blaue Schwefelflammen hervor, die den Ijen wohl zu einem der gefährlichsten Arbeitsorte der Welt machen! Denn dort oben, auf 2.977 Metern, arbeiten täglich zahlreiche Männer, die mit dem Schwefelabbau versuchen, einen Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen. Doch um welchen Preis…

Von 3.000 Metern Höhe in Indonesien zum Streichholz in deiner Hand

Krater. Ijen - Vulkan in Java, Indonesien. Von Maria Steinmark - fernwehzauber.de

Der Ijen ist ein Vulkankomplex im Osten der Insel Java, unweit vom Urlaubsparadies Bali. Auf fast 3.000 Metern Höhe erstrecken sich der Kraterrand und der innenliegende Kratersee. Die Besonderheit hierbei ist, dass es sich um einen Vulkan handelt, aus dessen Mitte immer wieder Schwefelgase entströmen. Der Schwefel, der bei diesen Vorgängen abgebaut werden kann, dient uns täglich als Streichholz, Waschmittel oder in Autobatterien, ohne das wir wissen, wie dieser Stoff abgebaut wird.

Hunderte Männer trauen sich täglich in den Krater des Ijen, um dort mit den einfachsten Werkzeugen den gelben Schwefel loszulösen. Dieser entweicht dank einfacher Metallrohre so kontrolliert, dass der erhärtete Schwefel an der Austrittsstelle abgebaut und auf dem gefährlichen Weg zurück transportiert werden kann.

Dafür haben sie meist nur zwei Körbe, die sie mit den bis zu 100 kg schweren Schwefelsteine befüllen und in das nächste, 6 km entfernte Dorf transportieren.

In dieser Zeit sind sie nicht etwa in Schutzmasken eingekleidet, sondern haben bestenfalls ein Tuch vor ihrem Mund, mit dem sie sich vor dem beißenden und giftigen Schwefelgasen schützen können. Die Gefahr hierbei besteht vor allem für die Lunge, in der sich die Reizstoffe des Schwefels absetzen und zu Krankheiten führen können. Die Arbeiter in der Schwefelmine haben also definitiv eine kürzere Lebenserwartung als andere Arbeiter. Und trotzdem gibt es noch zahlreiche Minenarbeiter, die auf diesen Job angewiesen sind.

1 Kilo Schwefel ergibt 6-10 Cent

Jedes kleine Stück Schwefel, das abgebaut und transportiert wurde, wird dann schließlich in Geld umgetauscht. Doch auch die schwere Arbeit macht die Männer nicht reich. Für ein Kilo Schwefel gibt es umgerechnet nur ca. 6-10 Cent – für harte Arbeit, Schmerzen und ein hohes Krankheitsrisiko.

Zudem starten die meisten Minenarbeiter bereits in der Nacht, um möglichst viel Schwefel verkaufen zu können. Zu dieser Zeit ist auch noch ein weiteres Naturschauspiel zu erkennen. Denn dann, wenn bei absoluter Dunkelheit die Schwefelgase empor steigen und sich mit dem Sauerstoff verbinden, erscheinen blaue Flammen am Kratersee des Ijen. Das ist so gut wie einmalig auf der Welt!

Blaue Flammen. Ijen - Vulkan in Java, Indonesien. Von Maria Steinmark - fernwehzauber.de

So entdeckst du den Ijen am besten

Wenn dich jetzt das Abenteuerfieber gepackt hat, dann nichts wie los! Man kann mit geführten Touristen-Touren den Kraterrand des Ijen besteigen. Jedoch ist es dabei sehr wahrscheinlich, dass du nicht so viel siehst, da die Schwefelwolken die Sicht versperren. Dort siehst du weiter ein großes Achtung-Schild, dass der weitere Weg sehr gefährlich ist und nur auf eigene Gefahr betreten werden kann. Nichtsdestotrotz gibt es Guides, mit denen du auch nachts die Tour bis zum Kratersee machen kannst.

Du solltest dabei absolut achtsam sein und die Gefahr des Ijen nicht unterschätzen. Damals haben wir gehört, dass der See so säurehaltig ist, dass sich sogar ein Apfel darin selbstständig auflösen würde. Wir haben es getestet – jedoch ohne Erfolg ;)

2 Kommentare zu “Das sind die Schwefelträger des Ijen, einem der gefährlichsten Arbeitsorte der Welt.

  1. Toller Bericht, der für uns eine Reise zurück in die Vergangenheit ist.
    Wir waren im 2007 auch auf dem Ijen Plateau und haben die zierlichen Männer mit den vollbeladenen Körben aus dem Krater hochsteigen sehen. Wie im Bericht beschriebem ohne Schutzmaske und in Flip Flops. Ich war froh, gescheite Trekkingschuhe dabei zu haben. Wahnsinn, was die Menschen im Ijen auf sich nehmen.

  2. Ich kann mich dem Kommentar von Reni nur anschließen. Wahnsinn, was diese Männer auf sich aufnehmen MÜSSEN. Eben weil Ihnen gar keine andere Alternative bleibt, sie nur so ihre Familien versorgen können. Damit wir unseren Standard hier in den Erste-Welt-Ländern halten können, werden andere auf menschenunwürdige Weise ausgebeutet. Kein Wunder, dass der Flüchtlingsstrom immer weiter zunimmt – wenn das Ursprungsland von den Industrienationen so ausgenutzt wird.
    Liebe Grüße, Isa

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